„Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt.“ Dieser bekannte Leitsatz stand als emotionales Fundament über einer Veranstaltung, die am 5. Juni 2026 im Haus der Region Hannover richtungsweisende Debatten anstieß. Die GRÜNE Fraktion hatte zu einer hochkarätigen Podiumsdiskussion geladen. Das Thema brennt aktueller denn je: „Wegschmeißen war gestern – Wie kann Kreislaufwirtschaft in der Region Hannover funktionieren?“
Globale Krisen führen uns täglich vor Augen, wie fragil die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten für Rohöl und andere Primärressourcen ist. Die Lösung kann nur vor Ort liegen: in einer echten, resilienten Kreislaufwirtschaft.
Ein klarer politischer Arbeitsauftrag
Umweltdezernent Jens Palandt eröffnete das Event und fand klare Worte: Der Leitsatz „Wegschmeißen war gestern“ sei kein bloßer Slogan, sondern ein konkreter Handlungsauftrag für Politik und Verwaltung. Ziel müsse es sein, die regionale Resilienz durch das Schließen von Stoffkreisläufen massiv zu stärken.
Niedersachsens Umwelt- und Klimaschutzminister Christian Meyer untermauerte dies in seinem Impulsvortrag mit harten Fakten:
„Eine der wertvollsten Wirtschaftsthemen ist die Kreislaufwirtschaft. Denn Niedersachsen ist ein ressourcenarmes Land. Umso mehr müssen wir hier in Kreisläufen wirtschaften.“
Wie akut die Lage ist, machte auch Michael Horn vom grünen Abfallteam deutlich. Für ihn ist die Transformation kein rein ökologisches Projekt, sondern eine ökonomische Notwendigkeit: Es gehe schlicht um das nackte Überleben der produzierenden Industrie und den Erhalt unseres Wohlstandes.
Der strategische Rahmen: Die NKWS
Die Diskussion spiegelte die Leitziele des neuen Aktionsprogramms zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) der Bundesregierung wider. Diese fokussiert sich auf vier strategische Säulen:
- Senkung des Primärrohstoffverbrauchs pro Kopf.
- Steigerung des Recyclings bei strategischen Industrierohstoffen, um Importabhängigkeiten (z.B. für die Mobilitätswende) zu reduzieren.
- Massive Erhöhung des Sekundärrohstoff-Anteils in der Produktion.
- Konsequente Abfallreduktion, unterstützt durch innovative Hebel wie den digitalen Produktpass.
aha als Wegbereiter: Vom Entsorger zum Ressourcenmanager
Wie diese graue Theorie in lebendige Praxis übersetzt wird, zeigte das Interview mit Julia Fürst, Geschäftsführerin des Zweckverbandes Abfallwirtschaft (aha). Fürst verdeutlichte den beeindruckenden Rollenwandel von aha: weg von der reinen Gefahrenabwehr (Müllentsorgung), hin zum strategischen Ressourcenmanagement.
„Wir setzen auf getrennte Sammlung, nicht auf Verbrennung“, so Fürst.
Das Herzstück dieser Strategie ist die Mechanisch-Biologische Anlage (MBA) in Hannover-Lahe. Hier wird der Restabfall intelligent getrennt: Während die heizwertreichen Fraktionen energetisch verwertet werden, wandert der organische Anteil in die Vergärung. Das Resultat? Grünes Biogas, das rein rechnerisch genug Energie für 150.000 Haushalte liefert.
Noch greifbarer wird der Kreislauf beim Bioabfall: Aus rund 50.000 Tonnen organischen Abfällen pro Jahr produziert aha hochwertigen, zertifizierten Kompost. Ein Teil davon wird zur bekannten „Hannoverschen Gartenerde“ veredelt. Ein Produkt ohne Torf, direkt aus der Region für die Gärten der Bürgerinnen und Bürger – Kreislaufwirtschaft zum Anfassen.
Ausblick: Der Weg zur Circular Region 2030
Die Veranstaltung machte Mut, zeigte aber auch die Handlungsfelder für die Zukunft auf: KI-gestützte Müllsortierung, die Umsetzung der Textil-Erfassung ab 2025 und die politische Forderung nach verbindlichen Quoten für Rezyklate in der öffentlichen Beschaffung stehen auf der Agenda.
Am Ende stand fest: Nachhaltigkeit erfordert Mut zur Veränderung. Mit den Impulsen dieser Veranstaltung zeigt die Region Hannover auf, wie sie sich endgültig zur klimaneutralen Kreislaufregion entwickelt.
