Aber Hand aufs Herz: Macht es im Zeitalter von hochmodernen Sortieranlagen überhaupt noch einen Unterschied, ob wir zu Hause Plastik, Papier und Restmüll akribisch trennen? Die klare Antwort lautet: Ja, mehr denn je! Eine aktuelle, internationale Studie im renommierten Fachmagazin "Nature" liefert nun den wissenschaftlichen Beweis, dass der Erfolg des Recyclings maßgeblich in unseren Küchen und Kellern entschieden wird.
Die „Nature“-Studie: Vorsortierung schlägt reine Maschinensortierung
Ein Forschungsteam um Steven De Meester von der Universität Gent (Belgien) hat in einer industriellen Recyclinganlage in den Niederlanden untersucht, wie sich die Recyclingquote von Plastik am besten maximieren lässt. Das Besondere: Die Anlage verarbeitete sowohl bereits im Haushalt getrennten Müll als auch gemischten Restmüll – allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Das Ergebnis ist eindeutig: Mülltrennung wirkt.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie im Überblick:
- Weniger Dreck, höherer Wert: Bei Kunststoffen, die bereits im Haushalt vorsortiert wurden, waren nur 8 bis 12 Prozent mit Feuchtigkeit oder Schmutz verunreinigt. Bei unsortiertem Müll lag dieser Wert mit 15 bis 26 Prozent doppelt so hoch.
- Geringerer Reinigungsaufwand: Weil der vorsortierte Müll sauberer ist, sparen Recyclinganlagen enorme Mengen an Energie und Wasser bei der Nachreinigung.
- Weniger Schadstoffe: Unsortierter Müll ist laut den Forschern deutlich häufiger mit giftigen Schwermetallen wie Cadmium und Blei kontaminiert. Diese stammen oft aus alten Farben, Staub oder anderen Produkten (wie Blumentöpfen oder Schuhsohlen), die sich im Restmüll mit dem Plastik vermischen. Das mindert die Qualität des recycelten Kunststoffs dramatisch und birgt gesundheitliche Risiken für die Mitarbeiter in den Werken.
Das Fazit der Forscher:„Die Nachsortierung in der Anlage kann die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen zwar unterstützen, führt aber zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Rohstoffqualität.“ Nur durch die Kombination aus häuslicher Vorsortierung und moderner Technik lässt sich hochwertiges Recycling-Plastik herstellen.
Die globale Herausforderung und das Ziel bis 2030
Weltweit sieht die Bilanz ernüchternd aus: Zwar wurden zuletzt über 413 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr produziert, aber nur mickrige 9 Prozent davon werden recycelt.
Länder wie Deutschland, Belgien und die Niederlande sind mit Sammelquoten von über 70 Prozent und Recyclingquoten von über 50 Prozent zwar Vorreiter, aber auch hier gibt es Luft nach oben. Durch Fehlwürfe in den Haushalten landen immer noch 7 bis 30 Prozent falsche Materialien im Plastikmüll.
Bis 2030 fordert die EU (umgesetzt im deutschen Verpackungsgesetz) eine Recyclingquote bei Kunststoffen von 75 Prozent – wobei die reine Verbrennung nicht mehr mitgezählt wird. Um das ohne verbesserte Mülltrennung zu erreichen, müssten allein in Europa und den USA rund 18 Milliarden Euro in neue Anlagen investiert werden. Geld, das wir uns zum Teil sparen können, wenn wir einfach richtig trennen!
Was ist in der Region Hannover möglich? Ihre Hilfe zählt!
Hier bei uns in der Region Hannover haben wir dank des Engagements vieler Bürgerinnen und Bürger bereits eine starke Ausgangslage. Doch die Nature-Studie zeigt uns, dass jeder "Fehlwurf" – also die sprichwörtliche Windel oder der Essensrest im gelben Sack bzw. der Wertstofftonne – die Qualität des gesamten Recyclings verschlechtert.
So einfach helfen Sie mit:
- Rein in die Wertstofftonne/den Gelben Sack: Nur Verkaufsverpackungen sowie stoffgleiche Nichtverpackungen (wie die Plastikschüssel oder das Kinderspielzeug aus Kunststoff) gehören hier hinein.
- Löffelrein reicht, aber bitte trennen: Sie müssen den Joghurtbecher nicht spülen – aber bitte ziehen Sie den Aluminiumdeckel komplett vom Kunststoffbecher ab! Nur so können die Sortierwerkzeuge der Anlage die Materialien richtig erkennen.
- Nutzen Sie unsere Angebote: Sie sind sich bei einem Abfallprodukt unsicher? Unsere aha-Abfallberatung steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Nutzen Sie unser Online-Abfall-ABC oder besuchen Sie die Bildungsangebote unserer Umweltbildung.
Lassen Sie uns gemeinsam die Kreislaufwirtschaft in Hannover auf das nächste Level heben. Richtige Mülltrennung ist gelebter Umweltschutz, der direkt vor Ihrer Haustür beginnt!
