Der nächste Winter steht vor der Tür – und während viele von uns bei sinkenden Temperaturen erst einmal an gemütliche Abende auf dem Sofa denken, laufen bei der Stadtreinigung des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) längst die Maschinen heiß. Zum 1. November ist die Räum- und Streusaison offiziell gestartet (bis zum 31. März, mit Verlängerungsoption in den April).
Doch wie gut ist Hannover im Vergleich zu anderen deutschen Metropolen auf den Ernstfall vorbereitet? Wir haben darüber direkt mit Robert Krause, dem Leiter des Reinigungsbetriebes der aha-Stadtreinigung, gesprochen.
Im Gespräch mit Robert Krause: Wie Hannover eisigen Zeiten trotz
Herr Krause, die Vorbereitungen für den Winter sind offiziell abgeschlossen. Was ist Ihre wichtigste Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger Hannovers zum Start der Saison?
Robert Krause: „Nur durch eine gründliche Einsatzvorbereitung im Vorfeld können wir bei Wettereignissen wie Glatteis oder Schneefall möglichst präventiv agieren. Unser Ziel ist es, vor die Lage zu kommen, damit gefährliche Glätte gar nicht erst entsteht. Deshalb überprüfen wir jährlich nicht nur unsere gesamte Fahrzeugflotte und Glättemeldeanlagen im Technik-Check, sondern auch unsere organisatorischen Prozesse – von der Tourenplanung über Mitarbeiterschulungen bis hin zum Einsatz auf der Straße.“
Das klingt nach einem straffen Programm. Wie stark ist aha in dieser Saison personell und maschinell aufgestellt?
Robert Krause: „Für die anstehende Saison stehen rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit, von denen im Wechsel 180 in der Rufbereitschaft eingeplant sind. Dazu kommt eine schlagkräftige Flotte aus etwa 60 Großfahrzeugen und 40 kleineren Räum- und Streueinheiten. Über die Sommermonate haben wir sämtliche Fahrzeuge gewartet und instandgesetzt. Beim finalen Technik-Check wurden alle Steuerungselemente und Streugeräte geprüft – übrigens umweltschonend unter Verwendung von Wasser statt Sole. Auch unsere Fahrerinnen und Fahrer wurden in der betriebseigenen Fahrschule geschult, um selbst bei widrigsten Straßenverhältnissen sicher zu manövrieren.“
Wenn man Hannovers Winterdienst mit anderen deutschen Großstädten vergleicht, fallen oft enorme Dimensionen auf. Wie schlägt sich Hannover im Metropolen-Vergleich?
Robert Krause: „Vergleicht man Hannover mit anderen Großstädten wie Köln, Frankfurt oder Hamburg, bewegen wir uns in einer ähnlichen logistischen Liga, was die Netzlänge angeht. Allein in unserer höchsten Dringlichkeitsstufe 1 betreuen wir ein riesiges Streckennetz:
- 450 km Hauptverkehrsstraßen
- 250 km Radwege
- rund 7 km Fahrradstraßen
- 52 km öffentliche Gehwege
- Dazu kommen noch 3.800 Fußgängerüberwege und 645Behindertenparkplätze
Da Hannover seit vielen Jahren sein Radwege-Netz weiter ausbaut, stellt dieses uns von der Stadtreinigung vor besondere Herausforderungen. Bereits jetzt sind 250 Kilometer Radwege fester Bestandteil der höchsten Dringlichkeitsstufe, mit steigender Tendenz. Durch bauartbedingte Eigenschaften sind die Bearbeitung und Umfang schwieriger zu bewerten als eine normale Verkehrsstraße.“
Ein oft angesprochenes Thema in Städten ist auch die Streusalz-Frage. Wie handhabt aha das im Vergleich zu Kommunen, wo teilweise noch Salz gestreut wird?
Robert Krause: „Da gehen wir einen sehr konsequenten, umweltbewussten Weg. Wir setzen seit vielen Jahren auf umweltschonende Technik und klare Regeln, der präventive Einsatz von Sole ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Und ganz wichtig: Für die Bürgerinnen und Bürger gilt auf den Anliegergehwegen eine strenge Pflicht. Ausschließlich abstumpfende Materialien wie Sand oder Splitt sind zulässig. Auftauende Mittel wie Streusalz dürfen dort nur in absoluten Ausnahmefällen (wie auf Treppen oder Rampen) genutzt werden – chemische Auftaumittel sind komplett untersagt.“
Damit sprechen Sie die Eigenverantwortung der Anwohnerinnen und Anwohner an. Welche Unterstützung bietet aha hierbei?
Robert Krause: „Wir lassen die Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer natürlich nicht im Stich. Im gesamten Stadtgebiet stehen rund 1.000 regelmäßig aufgefüllte Streusandkisten bereit. Sollte eine Kiste einmal leer sein, kann uns das völlig kostenfrei unter der Telefonnummer 0800 999 11 99 gemeldet werden. Eine Übersicht aller Standorte findet sich zudem online unter www.aha-region.de. Gemeinsam mit den Bürgern sorgen wir so dafür, dass Hannover sicher durch den Winter kommt!“
Fazit: Hannover ist gewappnet
Das Gespräch mit Robert Krause zeigt: Der Winterdienst in Hannover ist kein dem Zufall überlassenes Unterfangen, sondern ein minutiös geplanter logistischer Großeinsatz. Mit moderner Technik, starkem Personal und einem vorbildlichen Fokus auf Radwege und Umweltschutz ist die Landeshauptstadt bestens gerüstet, wenn Eis und Schnee Einzug halten.



