Weiter zum Inhalt
Beitrag vom

Kreislauf statt Stillstand: Kritische Rohstoffe zukunftssicher nutzen

Hochkarätige Kooperation und klare Worte zur Eröffnung

Zu dem Abend unter dem Titel „Kreislauf statt Stillstand: (kritische) Rohstoffe zukunftssicher nutzen“ hatte der Industrie-Club Hannover e.V. in enger Kooperation mit der VolkswagenStiftung geladen. In ihrer Begrüßung betonten Gudrun Benne, Geschäftsführerin des Industrie-Clubs Hannover e.V., und Dr. Georg Schütte, Vorstand der VolkswagenStiftung, die fundamentale Dringlichkeit des Themas für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland. 

Die renommierte Journalistin Vera Linß führte als Moderatorin durch den Abend und fand bereits zu Beginn klare Worte für die anstehende Debatte: Es gebe ambitionierte Klimaziele, die es zwingend zu erreichen gelte, und der Hunger nach kritischen Rohstoffen sei dabei eines der zentralen Nadelöhre. Mit profunden Impulsfragen eröffnete sie die Podiumsdiskussion: Wie kann man bereits beim Design von neuen Produkten die Kreislaufwirtschaft konsequent mitdenken? Welche einheitlichen Zertifizierungsstandards sind vonnöten? Und vor allem: Wo stehen wir aktuell bei der Kreislaufwirtschaft? 

Der Wandel vom Entsorger zum zukunftsorientierten Rohstoff-Manager

Auf dem Podium wurde schnell deutlich, dass sich die Rolle der modernen Abfallwirtschaft dramatisch verändert hat – weg vom reinen „Wegschaffen“ hin zum aktiven Klima- und Ressourcenschützer. Als Vertreterin der kommunalen Praxis verdeutlichte Julia Fürst, Geschäftsführerin des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Region Hannover (aha), dass die konsequente Kreislaufführung von Materialien von Kunststoffen über Bioabfälle bis hin zu mineralischen Baustoffen längst keine Option mehr ist, sondern eine absolute Notwendigkeit darstellt. 

Doch der Weg dorthin ist steinig und verlangt nach verlässlichen politischen Rahmenbedingungen, wie Fürst im Verlauf der Diskussion eindringlich mahnte:

„Absichtserklärungen sind schön, aber wie sieht die Realität aus? Der Druck ist offenbar noch nicht hoch genug. Gesetzgeber und die Politik sind gefordert, für einen verlässlichen Rahmen zu sorgen. Denn große Investitionen, wie zum Beispiel ein Anlagenbau für die Abfallbehandlung benötigen eine Vorlaufzeit in der Planung. Da geht es um hohe Investitionskosten, die in der Strategie eines Betriebes für mindestens 10 bis 30 Jahre im Voraus mitgedacht und auch am Ende finanziert werden müssen.“ — Julia Fürst, Geschäftsführerin aha

Design for Recycling, Standards und die Daten als zweite Währung

Gemeinsam mit den weiteren Podiumsgästen – Dr. Manuel Bickel (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie), Dr. Tim Brückmann (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, DKE) und Dr. Maik Tiedemann (Vorsitzender der Geschäftsführung, DMT GmbH & Co. KG / TÜV NORD GROUP) – wurden die konkreten Hebel der Transformation diskutiert. 

Einig war sich das Podium darin, dass echte Zirkularität bereits auf dem Reißbrett beginnt. Sogenannte „Kreislauf-Killer“ wie unlösbare Klebeverbindungen oder fest vergossene Akkus in Endgeräten müssen durch eine gesetzliche „Demontage-Garantie“ und standardisierte Trennbarkeit abgelöst werden. Werkzeuge wie der digitale Produktpass oder der ab 2027 verpflichtende Batteriepass schaffen hier künftig die notwendige Transparenz über chemische Zusammensetzung und Rezyklatanteile. 

Dr. Manuel Bickel vom Wuppertal Institut betonte, beim Produktdesign und beim Produktservicesystem fange es an. Man müsse gemeinsam über Lösungen nachdenken. Wir alle würden immer noch zu linear denken, zirkulär wäre das Thema der Zukunft. Spartenübergreifende Zusammenarbeit sei gefordert und für die Produkte müsse ein Absatzmarkt geschaffen werden. Das ginge aber nur, wenn die Verbraucher entsprechend aufgeklärt seien.  

Gleichzeitig entwickelt sich die Erfassung von Stoffströmen zu einem strategischen Datenschatz: Abfall- und Stoffstromdaten werden zur zweiten Wertschöpfungssäule, um Rohstoffrisikoanalysen für Regionen zu erstellen und kommunale Klimabilanzen präzise zu füttern. 

Die Bürgerinnen und Bürger als aktive Akteure mitnehmen

Neben hochentwickelter Sensortechnik in Sortieranlagen und Projekte wie das aha-Sonderabfallzwischenlager (SZL) für Großakkus in Lahe, bildet die Schnittstelle zur Bevölkerung das entscheidende Fundament. Ohne die richtige Mülltrennung im Haushalt gibt es keinen hochwertigen Input für die Recyclinganlagen. Julia Fürst unterstrich daher leidenschaftlich die Bedeutung des menschlichen Faktors: „Ich setze auf Aufklärung. Wir müssen die Menschen noch stärker erreichen. Auch Anreizsysteme können eine Lösung sein.“ — Julia Fürst, Geschäftsführerin aha

Nur durch transparente Kommunikation („Was wurde aus deinem Abfall?“) und moderne Anreizsysteme lässt sich die notwendige Sammelquote realisieren, um die ehrgeizigen Ziele des EU Critical Raw Materials Act – wie eine Recyclingquote von 25 % für strategische Rohstoffe bis 2030 – direkt vor Ort in der Region Hannover mit Leben zu füllen. 

Fazit: Rohstoffwende ist regionale Sicherheitspolitik

Das Herrenhäuser Forum machte unmissverständlich klar: Die Energiewende und die fortschreitende Digitalisierung machen Recycling systemrelevant. Jede Tonne Elektroaltgerät, die regional gesichert und sortenrein aufbereitet wird, stärkt die industrielle Souveränität und schützt durch die Einhaltung hoher Standards gleichzeitig Menschenrechte und Umwelt im globalen Süden. Oder wie es an diesem Abend treffend zusammengefasst wurde: Versorgungssicherheit beginnt auf dem Wertstoffhof – und wir alle, von der Industrie über die Kommunen bis hin zu den Bürgerinnen und Bürgern, sind Teil dieses Kreislaufs. 

Rufen Sie uns kostenlos an.

Mo-Do 7:00-16:30 Uhr
Fr 7:00-15:00 Uhr

Zahlungshotline
0511 99 11 666 504

Service-Hotline
0800 999 11 99

Ob Behältertausch, Behälterwäsche oder Anmeldung eines Gemeinschaftsbehälters.

Zu den Formularen