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aha setzt auf aktiven Klimaschutz

„Der vom Menschen verursachte Klimawandel wirkt sich bereits auf viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen der Welt aus“, heißt es im Sechsten Sachstandsbericht des Weltklimarates. Extreme wie Hitzewellen, Starkniederschläge, Dürren und tropische Wirbelstürme nehmen rasant zu. Um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, muss bekanntermaßen die anthropogene globale Erwärmung gestoppt werden. Voraussetzung dafür ist laut Weltklimabericht „eine Begrenzung der kumulativen CO2-Emissionen, wobei zumindest Netto-Null-CO2-Emissionen erreicht werden müssen, zusammen mit starken Verringerungen anderer Treibhausgasemissionen.“

All das ist nicht neu, wohl aber die Dringlichkeit, effektive Maßnahmen zeitnah umzusetzen. Das offenbart nicht nur der Weltklimabericht, das fordern auch namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Organisationen. Wie sich durch viele einzelne Maßnahmen auf kommunaler Ebene weit mehr als „Netto-Null“ erzielen lässt, zeigt das Beispiel aha. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) arbeitet in allen Geschäftsbereichen erfolgreich daran, nicht nur die gesetzlich vorgegebenen Ziele zu erreichen, sondern darüber hinauszugehen. „Wir sind vom Müllentsorger zum Vordenker geworden“, betont aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz. „Daseinsvorsorge bedeutet heute und in Zukunft, gewohnten Wohlstand intelligent vom Aufbrauchen der Ressourcen zu entkoppeln.“

Energie aus Abfall

Laut aktuellem Klimaschutzgesetz soll Deutschland bis 2045 klimaneutral sein. aha übertrifft dieses Ziel schon jetzt. Seit 2018 arbeitet das Unternehmen klimapositiv. Mit anderen Worten: Die CO2-Einsparungen liegen deutlich über den Emissionen. Eine optimale Verwertung des Restabfalls durch mechanisch-biologische Behandlung kommt dem Klima zugute. Diese positive Entwicklung wird kontinuierlich gesteigert, wie die jüngste CO2-Bilanz für das Jahr 2020 zeigt. Diese schließt mit einer Netto-Bilanz von rund 112.000 Tonnen CO2-Äquivalenten ab, zwei Jahre zuvor waren es nur 68.500 Tonnen.

Einen maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg hat die optimale Verwertung der Abfälle – zum einen durch Recycling, zum anderen durch biologische und thermische Behandlung. „Wir verarbeiten jährlich rund 300.000 Tonnen Restabfall aus rund 600.000 Haushalten der Region Hannover“, berichtet Roland Middendorf, Leiter der Abteilung Abfallbehandlung. In Hannover hat man aus der Not heraus eine Tugend gemacht. In den Niederlanden und in Polen, wo neue Anlagen aufgebaut wurden, ist die Vorsortierung heute Standard. In Hannover wurden beim Bau der Müllverbrennungsanlage die planungsrechtlichen Grundlagen so angelegt, dass die Müllverbrennung in ihren Kapazitäten nach oben begrenzt wurde. Eine direkte Anlieferung der Müllabfuhr an die Verbrennungsanlage war nicht vorgesehen, da man eine aufwendige Verkehrsinfrastruktur, die bei anderen Müllverbrennungsanlagen zu finden ist, vermeiden wollte. Klar war und klar ist, dass der Restmüll nach wie vor organische Anteile enthält – leider auch in der Region Hannover. Jedes Jahr landen pro Person circa 11 Kilogramm verpackte Lebensmittel in der Restmülltonne. Diese sind jedoch für die Verbrennung ungeeignet, da sie relativ viel Feuchtigkleit enthalten und somit schlecht verbrennen. Es ist in etwa so, als ob man im hauseigenen Kaminofen nasses Holz verbrennen würde.

Allein durch die Verpackungen ist dieser organische Anteil für die Kompostierung ungeeignet. Er lässt sich durch Vergärung effizienter verarbeiten. Daher hat aha im Rahmen der mechanisch-biologischen Behandlung die Vergärung aufgebaut, die pro Jahr rund 100.000 Tonnen organische Abfälle umsetzt. In den Gärbehältern wird Biogas erzeugt, das für den Betrieb des Blockheizkraftwerkes am Standort Hannover-Lahe zur Stromerzeugung genutzt wird. Etwa die Hälfte des erzeugten Stroms verwendet aha für den Betrieb des Abfallbehandlungszentrums. Die restlichen 50 Prozent werden ins öffentliche Netz eingespeist.

Da ein Anschluss an das Fernwärmenetz zu teuer ist, werden mit der Abwärme des Blockheizkraftwerks die Gebäude des Abfallbehandlungszentrums beheizt. Um die Kraft-Wärme-Kopplung weiter zu verbessern, hat aha das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt „Wärme to go“ umgesetzt. Die Wärme wird durch Container mit einem Speichermedium – ein Stoff, der Wärme aufnimmt, wenn er verflüssigt wird und wieder abgibt, wenn er fest wird – leitungsunabhängig transportiert. In der Medizin und im Freizeitbereich gibt es das in Form der Wärmekissen schon im Kleinmaßstab, hier wurde das Prinzip im industriellen Reifegrad als Vorzeigeprojekt umgesetzt.

In Zusammenarbeit mit der Klimaschutzagentur der Region Hannover deckt aha dabei die Wärmespitzen im Schulzentrum in Isernhagen ab und trägt zu einer optimierten Heizung bei. Dafür wird die Wärme durch Vorhaltesysteme in einem Container gespeichert, der bei Bedarf zum Schulzentrum transportiert wird – mit einem Elektrofahrzeug, versteht sich. Perspektivisch ist noch Wärme übrig, mit der weitere Nutzer unterstützt werden können.

Effektiver Ressourcenschutz durch Recycling

Der bestimmende Wert für die positiven Ergebnissse der CO2-Bilanz ist vor allem die Recycling-Quote. Neben Energieausbeute und Emissionsvermeidung ist der Ressourcenschutz ein wesentliches Ziel von aha. Ein gutes Beispiel ist die Verwertung von Altholz. Es beginnt mit der Vorsortierung bei der Sperrmüllabfuhr. In einem zweiten Fahrzeug erfasst aha Holzmaterial getrennt vom Rest des Sperrmülls, um eine bessere Sortenreinheit zu bekommen. „Wir werden vorbehandeltes und verwertbares Holz zukünftig noch stärker sortieren und trennen“, sagt Roland Middendorf. Ziel soll sein, mindestens zehn Prozent des anfallenden Altholzes aus dem Sperrmüll oder der Bauwirtschaft in den Produktionskreislauf zurückzuführen und wiederzuverwerten, beispielsweise in der Spanplattenindustrie.“

Altpapier: Kostbarer Rohstoff

Altpapier wird immer mehr zum knappen Gut. Der Sekundärrohstoff wird zumehmend als Verpackungsmaterial im Onlinehandel eingesetzt. Entsprechend sind die Preise in diesem Jahr rasant gestiegen. Auch in puncto Klimaschutz ist Altpapier ein enorm wertvoller Rohstoff. Laut CO2-Bilanz von aha, sichert er den größten Anteil an den CO2-Gutschriften aus den Recyclingströmen. Die Altpapiersammlung trägt somit maßgeblich zum Klimaschutz bei. In der Region Hannover sammelt aha den Wertstoff, während die durch eine europaweite Ausschreibung beauftragte Firma Rowe die Verwertung übernimmt. „Altpapier ist ein weltweit begehrter Rohstoff und Deutschland ist Sammelweltmeister. In der Region Hannover sind 2020 beispielsweise 93.379 Tonnen zusammengekommen“, erklärt Stefan Finke, Leiter Einkauf/Verkauf bei Rowe. Generell sieht er die Qualität des Altpapiers in und um Hannover als gut an. Dennoch sind auch hier Störstoffe zu finden. Problematisch seien in der Altpapiersammlung unter anderem Verbundstoffe mit einer Mischung aus Kunststoff und Papier und vor allem Lithium-Batterien. „In der Bearbeitung von Altpapier können sich die Batterien entzünden und für gefährliche Brandherde sorgen.“

Fruchtbarer Boden

Im Dezember 2015 stellte die französische Regierung die sogenannte „4-Promille-Initiative: Böden für Ernährungssicherung und Klima“ vor. Die Idee war, mit einer zusätzlichen Speicherung von 4 Promille mehr organischer Bodensubstanz die aktuellen globalen anthropogenen Treibhausgasemissionen weitgehend zu kompensieren. Vereinfacht gesagt, je mehr Kohlenstoff wir im Boden binden können, desto besser fürs Weltklima. Das Johann Heinrich von Thünen-Institut für Agrarklimaschutz hat die 4-Promille-Initiative einer kritischen Bewertung aus wissenschaftlicher Sicht unterzogen und für Deutschland konkrete Maßnahmen zur Festlegung von Kohlenstoff in landwirtschaftlichen Böden sowie zum Schutz vorhandener Kohlenstoffvorräte vorgestellt und diskutiert. Dabei wurden auch Aktivitäten vorgeschlagen, die in Deutschland zur 4-Promille-Initiative beitragen können. Eine davon ist der Einsatz von Komposterde als Dünger, der unter anderem in der ökologischen Landwirtschaft sinnvoll ist. Rund 60.000 Tonnen Kompost pro Jahr werden aus Abfällen aus Küche, Garten und Landschaftsbau der Region Hannover hergestellt. Mikroorganismen, Wasser und Sauerstoff verwandeln die Grün- und Bioabfälle während des dreimonatigen Rotteprozesses in fruchtbaren Kompost, der nicht nur als Torfersatz die Moore schützt, sondern auch mineralischen Dünger ersetzt. Die konsequente Sammlung von rohen Küchenabfällen, Rasen, Baum- und Strauchschnitt über die Biotonne ist damit ein ebenso einfacher wie wirkungsvoller Beitrag zum effektiven Klimaschutz. Wichtig dabei: Die saubere Trennung. „Wir finden in den Biotonnen relativ häufig Störstoffe wie Plastikverpackungen von Fertiggerichten, Umverpackungen wie Netzbeutel von Zitrusfrüchten oder komplette Pflanzen mit Plastiktopf“, so Roland Middendorf. „Das erhöht den Sortierungsaufwand immens, bedeutet einen höheren Energieaufwand und damit mehr Emissionen. Außerdem können so auch kleine Plastikteile über den Kompost in den Garten und damit in den Erdboden gelangen.“

Klimafreundlicher Fuhrpark

Weniger als acht Prozent der Treibhausgasemissionen entstehen bei aha durch Fuhrpark und Betriebsgebäude. Unter der Bezeichnung Fuhrpark sind sämtliche CO2-Emissionen subsummiert, die auf den Fahrzeugverkehr zur Sammlung, zum Transport und zum Betrieb zurückzuführen sind. Wie die Bilanz zeigt, wird die Technik zunehmend umweltfreundlicher. „In der Stadtreinigung haben wir einen großen Fuhrpark aus Kehrmaschinen, Straßenreinigungs- und Kontrollfahrzeugen und sogar Pedelecs mit Lastenanhänger im Einsatz. Von den über 200 Fahrzeugen sind bereits circa 20 Prozent alternativ angetrieben. Diese Quote soll in den nächsten Jahren auf über 50 Prozent steigen“, sagt Mathias Quast, Leiter der Stadtreinigung. Der nachhaltige Energiegedanke zeigt sich auch bei entsprechenden Arbeitsgeräten: Von den insgesamt 125 Laubpustern wird inzwischen die Hälfte per Akku betrieben statt mit Verbrennungsmotor. Dies wurde durch einen Paradigmenwechsel in der Beschaffung erreicht: Es werden nur noch Geräte mit herkömmlichem Verbrennungsmotor beschafft, wenn diese zwingend erforderlich sind und deren Notwendigkeit ausführlich begründet wird.

Die kontinuierliche Reduktion von Treibhausgasen steht auch bei der Abfall- und Wertstoffsammlung im Fokus. „Unser Ziel ist die Emissionsvermeidung sowie effektive Abfallsammlung durch intelligente Routenplanung und moderne Fahrzeugtechnik“, betont Frank Bier, stellvertretender Leiter der Abfallund Wertstoffsammlung. Bei allen 200 Sammelfahrzeugen sind deshalb Motoren der Abgasnorm Euro VI Standard. Zudem sind sie mit hocheffizienten Abfallpressen ausgestattet, um die Anzahl der gefahrenen Touren und damit den CO2-Ausstoß zu minimieren. „Insgesamt können dank der Pressen pro Fahrt elf Tonnen Abfall- und Wertstoffe eingesammelt werden. Das entspricht einem Gewicht von rund neun VW Golf – um mal einen Vergleich zu liefern“, so Bier.

Die Zukunftsperspektive ist eine komplett emissionsfreie Abfall- und Wertstoffsammlung – unter anderem durch Einsatz von wasserstoffbetriebenen Sammelfahrzeugen, die den Brennstoff über eine betriebseigene Wasserstofftankstelle beziehen. „Wir werden im kommenden Jahr ein Abfallsammelfahrzeug mit Brennstoffzellentechnologie in Zusammenarbeit mit der Firma Zöller an den Start bringen“, berichtet Dunja Veenker, Abteilungsleiterin Abfall- und Wertstoffsammlung. Expertinnen und Experten zufolge ist die Brennstoffzellen-Wasserstofftechnik prädestiniert für die unterschiedlichen Anforderungen in der kommunalen Abfallwirtschaft. aha zählt zu den ersten Unternehmen der Branche, die diese Technik testen. Bei erfolgreichem Abschluss ist ein Ausbau der Infrastruktur und der Serviceleistungen geplant.

Aktiver Klimaschutz dank Passivhaus

Um die CO2-Bilanz bei aha im gesamten Unternehmen zu senken, wird auch an der Gebäudetechnik gearbeitet. Am Standort Gertrud-Knebusch- Straße wurde für die Stadtreinigung ein neues Betriebsgebäude im Passivhausstandard gebaut und im Herbst 2020 eröffnet. Das 1.500 Quadratmeter große Haus bietet Platz für 150 Mitarbeiter und liegt direkt an der 13.500 Quadratmeter großen Betriebsstätte. Aber eigentlich ist Passivhaus die falsche Bezeichnung. Das Gebäude kann wesentlich mehr, als nur Energie durch Bauweise und Fotovoltaik einzusparen. Die Abwärme des integrierten Blockheizkraftwerkes wird zum Beispiel genutzt, um das Wasser der Duschen in den Sozialräumen zu wärmen. Beheizt wird das Betriebsgebäude mit Geothermie. Darüber hinaus senkt eine Regenwasserauffanganlage den Verbrauch von Trinkwasser beim Waschen der Fahrzeuge.

Müllvermeidung hat höchste Priorität

Die bestmögliche Verwertung von Abfällen trägt natürlich signifikant zum Klimaschutz bei. Höchste Priorität in der fünfstufigen EU-Abfallhierarchie hat jedoch die Vermeidung von Abfällen. Wie groß das Interesse in der Bevölkerung ist, etwas zu tun, zeigt der aha Alltagsguide. Dieser ist im August 2020 erschienen, wurde über 2.800 Mal verteilt und fand auch bei den Medien in der Berichterstattung großes Interesse. Ein kleines, aber sehr erfolgreiches Beispiel ist auch der „Hannoccino“. Der wiederverwendbare Pfandbecher ist seit Sommer 2017 auf dem Markt und leistet seitdem einen großen Beitrag zur Müllvermeidung. „Deutschlandweit werden jährlich rund 2,8 Milliarden Einwegbecher benutzt. Allein in der Stadt Hannover sind vor der Einführung vom Hannoccino bis zu 20 Millionen Einwegbecher jährlich im Müll gelandet. Inzwischen haben wir diese Zahl schon um 30 Prozent gesenkt“, rechnet Mathias Quast vor.

150.000 von diesen umweltfreundlichen Bechern wurden bereits in Umlauf gebracht. Die Nachfrage ist so groß, dass aha zusätzlich zum 400-ml-Becher auch eine kleinere 300-ml-Variante herausgebracht hat. Der erste produzierte Hannoccino- Becher steht bei Mathias Quast im Büro – und kommt natürlich auch zum Einsatz. Seine persönliche Umweltbilanz: „Ich nutze den Becher regelmäßig und habe notiert, wie oft ich ihn inzwischen in der Spülmaschine gereinigt habe: 420 Mal. Lediglich der Aufdruck ist etwas verblasst, der Mehrwegbecher ist weiterhin täglich im Einsatz. Ein kleiner persönlicher Beitrag zum Umweltschutz, den jede Person leisten kann.“

 

Wertvolle Tipps rund um Abfall, Wertstoffe und nachhaltiges Leben gibt der aha-Alltagsguide.

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