Pressemitteilung

Wärme to go – Energie an Bord

23.08.2017
aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz mit Axel Priebs, Umweltdezernent der Region Hannover, Arpad Bogya, Gemeindebürgermeister Isernhagen und Udo Sahling, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur, präsentieren den Wärmecontainer des Projekts "Wärme to go".

• Start für Modellprojekt „Wärme to go“ von aha, Gemeinde Isernhagen und Klimaschutzagentur
• Elektro-Zugmaschine bringt Wärme in Containern von der Deponie in Hannover-Lahe zum Schulzentrum Isernhagen in Altwarmbüchen
• Bundesumweltministerium gibt 1,4 Mio. Euro Fördermittel

Wärme, die auf der Deponie in Hannover-Lahe bei der Verstromung von Methangas aus der Abfallbehandlung entsteht und nicht gebraucht wird, soll jetzt auf innovative Weise das Schulzentrum Isernhagen in Altwarmbüchen mit Energie versorgen. Möglich wird dies mit dem Modellprojekt „Wärme to go“, für das bei einem Gesamtvolumen von 1,7 Millionen Euro rund 1,4 Mio. Euro vom Bundesumweltministerium bereitstehen.

„Methangas entsteht bei der biologischen Behandlung des Restabfalls und wird schon jetzt klimafreundlich in einem Blockheizkraftwerk zu Strom umgewandelt“, erläuterte Thomas Schwarz, Verbandsgeschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Hannover (aha). „Nun verpufft auch die Wärme nicht länger. Sie wird im Rahmen des Modellprojekts in Container eingebracht, die mit dem Wärmespeichermedium Natriumacetat gefüllt sind. Die Elektro-Zugmaschine fährt die Container ins sechs Kilometer entfernte Schulzentrum in Altwarmbüchen. Dort wird die Wärme in die Heizung der Schule eingespeist. Für die modellhafte Anwendung dieses mobilen Wärmetransports stellt das Bundesumweltministerium für die Projektlaufzeit bis zum 31.01.2020 insgesamt rund 1,4 Millionen Euro zur Verfügung. Der Gesamtaufwand für das Projekt beläuft sich auf rund 1,7 Mio. Euro“.

Umweltdezernent Prof. Dr. Axel Priebs freute sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit von aha, Klimaschutzagentur und der Gemeinde Isernhagen im Modellprojekt. „Der innovative Ansatz von ,Wärme to go‘ hat auch den Fördermittelgeber, das Bundesumweltministerium, überzeugt. Wir setzen hier moderne technische Lösungen ein, um Klimaschutz und Energiewende voranzubringen und unsere Klimaschutzziele zu erreichen“, sagte Priebs. Die Kombination von nachhaltigen Projektbausteinen mache das Projekt vorbildhaft und „rund“: „Die nachhaltige Restmüllbehandlung versorgt die Elektro-Zugmaschine mit regenerativen Strom und die Schule braucht weniger fossile Brennstoffe, weil sie die entstehende Abwärme zum Heizen einsetzt“, erklärte Priebs. Mit den vorgesehenen zehn Wärmecontainern und der Elektro-Zugmaschine könnten bis 2020 Treibhausgasemissionen von bis zu 8.000 Tonnen vermieden werden.

Auch Arpad Bogya, Bürgermeister der Gemeinde Isernhagen, ist stolz auf das gemeinsame Projekt. „Dank der ergänzenden Förderung der Heizungsoptimierung über die Leuchtturmrichtlinie der Region konnten die ersten beiden kommunalen Brennstoffzellen im Schulzentrum installiert werden“, so Bogya. Und diese sei Voraussetzung für die Integration der Wärmecontainer in das Heizungssystem im Projekt „Wärme to go“. Der Bürgermeister betonte, die Gemeinde biete gerne auch Schülerinnen und Schülern Einblicke in die Heiztechnik und das Projekt vor Ort, um die Bedeutung für Energiewende und Klimaschutz zu vermitteln. „Isernhagen verfügt bereits über langjährige Erfahrungen mit innovativer Heiztechnik und beim Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung“ sagte Bogya. Dreizehn Blockheizkraftwerke (BHKW) versorgen klimaschonend das Rathaus, fünf Schulen, vier Sporthallen und das Hallenbad. Hinzu kommen die Baugebiete Wietzeaue und HB, die durch die Gemeindewerke Isernhagen (GWI) mit BHKW-Wärme versorgt werden.

Die Klimaschutzagentur Region Hannover hat die Konzeption des Förderprojekts unterstützt und die Antragsstellung begleitet. „Wir haben viel Erfahrung mit Förderanträgen und den Bundesprogrammen im Bereich Klimaschutz. Deshalb unterstützen wir die Kommunen in der Region – und in diesem Fall auch die Regionstochter aha - gern mit unserem Know how bei der Entwicklung von Modellprojekten“, sagte Udo Sahling, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur. Im Projekt „Wärme to go“ zählen die Ausgestaltung des Modellvorhabens, die Begleitung der Antragstellung sowie Öffentlichkeitsarbeit und Organisation von Fachveranstaltungen zu den Aufgaben der Agentur. „Wir wollen das Projekt auch in unsere Umweltbildungsaktivitäten aufnehmen“, bot Sahling an. www.waerme-to-go.de

Fotos vom Pressetermin finden Sie in unserem Pressebereich.

Partner und Förderer:

  • aha - Abfallwirtschaft Hannover
  • Gemeinde Isernhagen
  • Klimaschutz Agentur Region Hannover
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

 

Hintergrund:

Kreislaufsystem – Wärme to go

Mit dem vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderten Modellprojekt „Wärme to go“ wird der Einstieg in die nicht leitungsgebundene Abwärmenutzung über Wärmecontainer in der Region Hannover erprobt. Die drei kommunalen Partner, der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) als Förderantragsteller, die Gemeinde Isernhagen als Partnerin für die Wärmenutzung und die Klimaschutzagentur Region Hannover als Förderberaterin und Partnerin für Öffentlichkeitsarbeit zeigen vorbildhaft, wie Abwärme aus der Vergärung des Biomasse-Anteils im Restabfall technisch nutzbar gemacht werden kann. Bei der Behandlung der Restabfälle in der mechanisch-biologischen Restabfallbehandlungsanlage (MBA) auf der Deponie Hannover-Lahe entsteht Methangas, das in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Produktion von Wärme und Strom genutzt wird. Die Wärme wird in Wärme-Containern eingespeist und von der Deponie Hannover-Lahe zum wenige Kilometer entfernten Schulzentrum Isernhagen in Altwarmbüchen gebracht. Der Einsatz einer Elektro-Zugmaschine, die mit dem klimaneutral erzeugten Strom auf der Deponie betrieben wird, trägt zu einem emissionsfreien Wertschöpfungssystem bei. So werden sowohl stoffliche als auch energetische Kreisläufe geschlossen.
Mit dem Projekt wird ein wichtiger Beitrag zur Energiewende und zur Erreichung der Klimaschutzziele geleistet.

Räume beheizen

Am Schulzentrum Isernhagen wird Wärme zur Beheizung der Räume benötigt. Durch die Förderung des Modellprojektes „Wärme to go“ kann bisher ungenutzte Abwärme von der Deponie Hannover am Schulzentrum nutzbar gemacht werden. Diese Abwärme wird in einem Wärme-Container gespeichert und am Schulzentrum abgegeben, so dass die Räume für Schüler- und Lehrerschaft besonders umweltfreundlich beheizt werden. Der Wärme-Container ist mit einem Latentwärmespeicher, dem umweltverträglichen Phasenwechselmedium Natriumacetat (bekannt als Nitritpökelsalz) gefüllt, dessen Funktion aus Taschenwärmern bekannt ist.

Restabfälle behandeln

Bis zu 200.000 t Restabfälle behandelt aha im Jahr in der mechanisch-biologischen Abfallaufbereitung (MBA) auf der Deponie Hannover-Lahe. Dabei wird der organische Anteil im Restabfall von Bakterien zersetzt und es entsteht Methangas (CH4). Dieses wird energetisch in Blockheizkraftwerken genutzt. Wärme und Strom werden produziert.

Strom und Wärme produzieren

Das Methan wird in mehreren Blockheizkraftwerken (BHKW) zur Herstellung von Wärme und Strom genutzt. Der Strom wird selbstgenutzt und in das öffentliche Stromnetz eingespeist. Zusätzlich wird er bei „Wärme to go“ genutzt, um eine Elektro-Zugmaschine aufzuladen, welche die Wärmecontainer zum Schulzentrum bringt. Die im BHKW produzierte Wärme wird in den Wärme-Containern gespeichert. Nur die überschüssige, noch nicht nutzbare Wärmemenge wird an die Umgebung abgegeben.

Kreisläufe schließen

Die Container sind mit Natriumacetat, auch bekannt als Nitritpökelsalz, befüllt. Dieses Phasenwechselmedium verflüssigt sich, wenn ihm Wärme zugeführt wird und kristallisiert, wenn die Wärme abgegeben wird. Der Container funktioniert also im Prinzip, wie ein großer Taschenwärmer und der Kreislauf ist beliebig oft wiederholbar. Dieser Nutzen wird auch Latentwärmespeicherung genannt. Die im Container gespeicherte Wärme wird von der Deponie zum Schulzentrum nach Isernhagen gebracht, wo die Wärme zum Beheizen der Räume genutzt wird.

Fotos vom Pressetermin Pressekonferenz finden Sie in unserem Pressebereich.