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Papierrecycling: kein Holzweg

Vom "Schreiben" und worauf man schrieb

Die frühen Menschen ritzten ihre bildhaften "Mitteilungen" zunächst in Knochen oder Fels. Ihnen folgten Darstellungen auf Ton- oder Wachstafeln, später dann auf Pergament und Papyrus.

 

Von Papyrus, das die alten Ägypter, Griechen und Römer verwandten, kommt der heutige Name "Papier". Papyrus wurde schon 3000 v. Chr. hergestellt, durch Schlagen oder Pressen von Rindenbast.

 

Die Chinesen erfinden das Papier

Vor ca. 2000 Jahren kannte man auch in China Papier, das aus Bastfasern, Chinagras, Flachs und Hanf hergestellt wurde. Der chinesische Minister Tsai Lun erfand 105 n. Chr. die Papierherstellung aus Textilfasern, ein Produkt, das unserem heutigen Papier schon nahe kommt.

 

Dieses Wissen wurde so streng gehütet, dass erst im 13. Jahrhundert die Herstellung von Papier über den arabischen Kulturkreis nach Europa überliefert wurde in die italienische Stadt Fabriano.

 

Der Siegeszug des Papiers war in Europa, unterstützt durch die Erfindung des Buchdrucks, nicht mehr aufzuhalten. Bald gab es keine Lumpen mehr, um die große Nachfrage zu decken.

 

Papierherstellung den Wespen abgeschaut

1846 gelang es dem sächsischen Weber Gottlob Keller, Papier aus dem Faserstoff Holz zu entwickeln. Das Verfahren hatte er den Wespen abgeschaut, die zum Nestbau Holz von den Bäumen abschaben und zu einer papierähnlichen Substanz verarbeiten.

 

Was wäre ohne Papier?

Papier ist ein unentbehrlicher Informations- und Kommunikationsträger. Die Tatsache, dass Papier heute so alltäglich und selbstverständlich geworden ist, führt dazu, dass uns sein Wert und seine Bedeutung kaum mehr bewusst sind.

 

Erst die Frage „Was wäre ohne Papier?” zeigt, wie stark jeder Lebensbereich von Papierprodukten geprägt ist, von Zeitungspapier, Hygienepapier, Banknotenpapier, Tapeten, Kaffeefilter etc..

 

Papier war anfänglich ein typischer „Resteverwerter”. Erst wurden zur Papierherstellung Lumpen benutzt, die nicht mehr zur Kleidung taugten, dann waren es vor allem Holzstücke, aus denen kein Schnittholz mehr hergestellt werden konnte.

 

Der steigende Weltpapierbedarf führte dazu, dass einige Länder große Waldflächen abholzten und durch schnell wachsende Monokulturen ersetzten. Ein Leben ohne Papier ist auch in Zukunft unvorstellbar – selbst der Einzug der elektronischen Informationsmedien in alle Lebensbereiche hat zu keiner Reduzierung des Papierverbrauchs geführt.

 

Im Jahr 2001 wurden weltweit 323 Millionen Tonnen Papier produziert. Das Holz dafür stammte zu etwa 17 % aus Urwäldern, zu 29 % aus Plantagen und zu 54 % aus Wirtschaftswäldern. Auch in Deutschland steigt der Papierverbrauch steil: von 79 kg pro Person im Jahr 1960 auf derzeit über 230 kg pro Person im Jahr 2005!

 

90 % des Zellstoffs, der in Deutschland verarbeitet wird, stammt aus Importen. 2002 waren dies fast 4 Millionen Tonnen.

 

Hauptlieferländer waren:

Schweden 850.000 t

Finnland 766.000 t

Kanada 726.000 t

Brasilien 333.000 t

 

Gerade in den drei erstgenannten Ländern wird der Zellstoff zum großen Teil aus Urwäldern gewonnen, d.h. der Urwald wird abgeholzt um aus dem Holz Papier herzustellen.

 

Beispiel Kanada

Der Great Bear Rainforest bildet mit mehr als 3 Millionen Hektar das Herzstück des Kanadischen Regenwaldes und ist damit das weltweit größte weitgehend intakt gebliebene Waldgebiet der gemäßigten Breiten.

 

1000 Jahre alte Bäume ragen bis zu 100 m hoch in den Himmel. Vor allem der Artenreichtum macht den Wald, seine Flüsse und Fjorde so besonders: Es tummeln sich Grizzlies, Weißkopfseeadler, Lachse und Orcas. Seit rund 8000 Jahren ist der Great Bear Rainforest die Heimat von sechs indianischen Nationen.

 

Bereits die Hälfte der ehemals existierenden Fläche ist durch Holzeinschlag zerstört. Internationale Holzkonzerne dringen immer weiter in den Urwald ein, mit dramatischen Auswirkungen für das Ökosystem und die indigene Bevölkerung.

 

Die Hälfte des geschlagenen Holzes wird zu Zellstoff verarbeitet. Deutschland ist zweitgrößter Importeur dieses Zellstoffes. So werden die einzigartigen Bäume des Great Bear Rainforest zu Toilettenpapier und Schulheften verarbeitet.

 

Recycling: Altpapier wird Neupapier

Nicht nur in der Computer- oder Automobilindustrie ist nichts mehr wie vor 20 Jahren. Auch das heutigen Recyclingpapier hat kaum etwas mit dem grauen groben Papier aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gemein: es ist hell, tintenfest und hervorragend für den Kopierer geeignet.

 

Durch den Einsatz von Altpapier als Rohstoff werden Ressourcen geschont: Weniger Bäume werden gefällt, weniger Urwald wird zerstört, es wird weniger Energie und Wasser verbraucht und es werden weniger Schadstoffe an die Umwelt abgegeben. Beim Recyclingprozess verkürzen sich die Papierfasern, trotzdem kann das Altpapier 6-8-mal recycelt werden.

 

Gutes erkennen

Das „Blaue Engel“-Zeichen, das vom Umweltbundesamt vergeben wird, garantiert, dass das Papier zu 100 % aus Altpapier hergestellt wird. Davon müssen 65 % aus unteren Altpapiersorten (z.B. Haushaltssammlungen stammen, es dürfen keine optischen Aufheller enthalten sein und das Papier darf nicht mit der umweltbelastenden Bleiche mit Elementarchlor hergestellt sein.

 

Das „ÖKOPA Plus“-Zeichen garantiert zusätzlich, dass das Papier weder gebleicht noch entfärbt ist. Es ist mit Kreide und Kaolin gestrichen und so besonders hell. Beide sind zu empfehlen.

 

Nicht zu empfehlen – aber bei Schulheften weit verbreitet ist das Firmenzeichen „Aqua pro natura – Weltpark Tropenwald“. Es handelt sich dabei immer um Papier aus frischen Fasern, das ohne Chlor gebleicht wurde. Es ist nicht aus Recyclingpapier hergestellt.

 

Das Logo besagt nur, dass für das Papier kein Tropenwald abgeholzt wurde. Da Tropenholz für die Papierherstellung ungeeignet ist, sagt es nichts darüber aus, ob das Holz aus den nordischen Urwäldern wie Kanada, Schweden, Finnland oder Russland stammt.

 

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