Exkurs: Müll in der Einen Welt
Armut in Müll
Zielsetzung:
- Informationen über das Wohlstandsgefälle zwischen den reichen und armen Ländern der Erde sollen das Bewusstsein für die Situation bei uns entwickeln.
- Hauptursache für die zunehmende Umweltverschmutzung und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen auf der ganzen Welt ist das unverträgliche Konsum- und Produktionsverhalten vor allem in den Industrieländern.
- Gleichzeitig können ärmere Bevölkerungsschichten ihre Bedürfnisse nach Nahrung, Gesundheit, Obdach und Bildung nicht befriedigen. Die Armut wächst dadurch unaufhaltsam weiter.
Das Wohlstandsgefälle zwischen den Ländern dieser Erde ist erschreckend. Während die Zahl der im Überfluss Lebenden relativ klein ist, steigt die Zahl derer, die in der absoluten Verelendung leben, täglich.
So wurde auch bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED), die im Juni 1992 in Rio de Janeiro stattfand, deutlich, dass wir Umwelt, wirtschaftliche und soziale Entwicklung nicht mehr als völlig voneinander losgelöste Bereiche betrachten können.
Die dort von 179 Staaten unterzeichnete Agenda 21 ist ein umfangreiches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert. Die Agenda 21 widmet der Abfall- und Konsumproblematik mehrere Kapitel: Eines handelt von den festen Abfällen und den Abwässern, ein weiteres spricht von den giftigen Abfällen, die für die Umwelt und für uns selbst eine Gefahr darstellen. Aber auch bei uns steigt die Zahl derer, die von dem leben müssen, was andere im Überfluss weggeworfen haben.
„Der übertriebene Konsum vor allem in den Industrieländern, führt dazu, dass es immer mehr Abfall gibt. Wenn sich das nicht ändert, kann die Abfallmenge bis zum Jahr 2025 auf das Vier- bis Fünffache ansteigen“ (Agenda 21, Kapitel 20 und 21).
Die rasch anwachsende Menge der Abfälle und Abwässer in den Städten bildet eine Gefahr für die menschliche Gesundheit und für die Umwelt. Jährlich sterben bis zu 5,2 Mio. Menschen, darunter 4 Mio. Kinder an Krankheiten, die durch falsche Entsorgung von Abfällen und Abwässern verursacht werden.
"Die Müllkinder von Manila"
Viele SchülerInnen können sich nicht vorstellen, dass in der Dritten Welt Tausende von Menschen auf dem Müll und von ihm leben. In der Geschichte "Die Müllkinder von Manila" erfahren sie von den bedrückenden Lebensumständen der SlumbewohnerInnen in Ländern der Dritten Welt, wie stark die stinkende Müllflut das Leben dieser Menschen beeinflusst.
Diese Menschen sind ihrer Würde beraubt. Müll steht hier für Elend und Gleichgültigkeit. Das Beispiel "Müll in der Dritten Welt" ist besonders eindrucksvoll, weil dort die Müllberge nicht weitgehend unsichtbar vor den Toren der Stadt abgelagert werden, sondern für viele Menschen Teil des täglichen Lebens sind. Aus der Not wird eine Tugend gemacht: In diesen Ländern hat sich eine Recyclingkultur entwickelt, die vielen Menschen das Überleben ermöglicht.
DATEN, FAKTEN, ZAHLEN
Not macht erfinderisch
In den Städten der Dritten Welt sichert der Müll Tausenden von Familien ein Existenzminimum im täglichen Überlebenskampf. Außerhalb des so genannten "formellen Sektors" der Wirtschaft hat sich ein hoch organisiertes Recyclingsystem entwickelt.
MüllsammlerInnen, vor allem Kinder, durchsuchen die Müllhalden nach Wiederverwertbarem oder sammeln den Müll in den Wohnvierteln ein. Mit Hausschweinen wird der Müll nach organischen Abfällen durchstöbert, dann beginnt stundenlanges Sortieren. Die Menschen müssen sich ständig den giftigen Rauchgasen der brennenden Müllhalden aussetzen.
Die Infektionsgefahr, hervorgerufen durch Verletzungen an scharfkantigen Dosen oder Glas, ist hoch. Die sortierten Materialien gelangen - häufig über einen "mafiaähnlich" organisierten Zwischenhandel – als devisensparende Rohstoffe an die Industrie zurück.
Oder sie werden auf Altstoffmärkten und an Handwerksbetriebe verkauft. Handwerkliches Recycling ist in der gesamten Welt verbreitet, viele Techniken wurzeln im traditionellen Handwerk. In kleinen Werkstätten werden Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs aus Altmaterialien gefertigt, die wir als wertlos ansehen und wegwerfen würden.
So stellen Handwerker in Westafrika mit einfachen Werkzeugen und viel Geschick, Phantasie und Improvisationstalent aus alten Konservendosen, Lampen, Kannen, Trichter, Siebe oder Kochgeräte her.
Alte Autoreifen werden zu Taschen und Schuhen umgearbeitet. Kinder basteln sich aus Abfall Spielzeug: Draht, alte Konservendosen und andere Abfallmaterialien werden zu Autos, Bussen, Fahr- und Motorrädern umfunktioniert.
aus: BUND Landesverband, Niedersachsen: Mehrwegausstellung.
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