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Abfall früher und heute: Zur Geschichte des Mülls

Reise in die Vergangenheit

Der Blick zurück zeigt, dass die explosionsartige Entwicklung der Abfallsituation nicht schicksalsgegeben, sondern das Ergebnis des Konsumverhaltens der letzten Jahrzehnte ist.

Seit es Menschen gibt, gibt es auch Abfall.

Ein Gang durch die Geschichte des Mülls macht deutlich, dass es Müll schon so lange wie die Menschheit gibt. Müll zu produzieren ist eine menschliche Eigenheit. Im Tier- und Pflanzenreich gibt es keinen Müll, dort herrscht ein perfekter geschlossener Kreislauf.

Menschliches Verhalten hat die Müllberge wachsen lassen, und menschliches Verhalten kann diesen Prozess stoppen.Eine positive Veränderung ist auch durch kleine Schritte möglich. Die Erkenntnis, dass Verhaltensänderungen etwas bewirken können, macht Mut, die Zukunft zu gestalten.

 

Müllabfuhr damals


Zahlen, Daten, Fakten
Allerdings gab es früher weder die Mengen, noch die Schadstoffprobleme, die durch die "Chemisierung des Mülls" in den letzten Jahrzehnten aufgetreten sind.

Doch immer mussten sich die Menschen auch mit der Beseitigung ihrer Abfälle auseinandersetzen. Schon in steinzeitlichen Siedlungen fand man riesige Abfallhaufen, bestehend aus Knochen, Scherben, Asche und organischen Materialien, die von Zeit zu Zeit angezündet wurden.

Spätere Kulturen trennten bereits feste und flüssige Abfälle oder entsorgten sie über Abwasserkanäle. Bekannt ist die römische "Cloaka Maxima", an die zahlreiche Haushalte auf eigene Kosten angeschlossen werden konnten. Private Unternehmen, die von einer städtischen Sondersteuer bezahlt wurden sowie Sklaven, übernahmen die Reinigungsanlagen in diesem Abwassersystem.

 

Schweine kamen zum Einsatz
Im Mittelalter geriet diese Methode in Vergessenheit. Fäkalien und Abfälle wurden einfach vor das Haus auf die Straße geworfen. Zur Beseitigung organischer Abfälle auf den Straßen wurden Schweine eingesetzt, die jedoch gleichzeitig zur Verschmutzung beitrugen.

Zahlreiche Seuchen, darunter Pest und Cholera, waren die Folge. Erst als die Zusammenhänge zwischen hygienischen Verhältnissen und Krankheiten erkannt wurden, begann der Aufbau von Abfallbeseitigungssystemen und Schwemmkanalisationen.

1435 wurde in Hannover die Straßenreinigung einem Fuhrunternehmen übertragen und zwei "Stortekarren" für die Abfuhr angeschafft. Die Aufsicht über diese "Müllabfuhr" wurde dem Scharfrichter überstellt.

Hygiene wurde immer wichtiger

Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewann die öffentliche Hygiene immer mehr an Bedeutung. In Deutschland wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts die ersten Spülaborte eingebaut. Erstmals unterschied man zwischen Fäkalien und Müll.

Ab 1838 fuhren Kotwagen zweimal wöchentlich durch die Stadt und nahmen den Inhalt der am Straßenrand aufgestellten Tonnen mit, um sie auf die Rieselfelder vor der Stadt zu bringen. Gleichzeitig sorgten 70 Straßenfegerinnen, die sogenannte Besengarde, für eine gewisse Sauberkeit auf den Straßen Hannovers.

Die Entdeckung des Tuberkuloseerregers durch Robert Koch 1882 und die Erkenntnis, dass die Krankheit durch schlechte hygienische Bedingungen hervorgerufen wird, brachte einen Durchbruch in der Müllbeseitigung.

 

Straßenfegerinnen

Ab 1861 wurde die Müllabfuhr in Hannover ausschließlich von städtischen Arbeitern vorgenommen. Die Schwemmkanalisation wurde ausgebaut, Abwässer und feste Abfallstoffe wurden getrennt behandelt.

 

In Hamburg entstand 1896 die erste Müllverbrennungsanlage Deutschlands. 1935 wurde in der deutschen Gemeindeordnung der allgemeine Anschluss- und Benutzungszwang für die Müllabfuhr und die Abwasserkanalisation festgelegt.

Der meiste Müll wurde allerdings auf rund 50.000 planlos angelegten Deponien abgekippt. In Hannover gab es bis 1936 Deponien u.a. in der List und Bemerode - heute teure Altlasten. Die Stadt Hannover legte 1936 im Altwarmbüchener Moor ihre Zentraldeponie an.

1972 wurde das Abfallbeseitigungsgesetz verabschiedet, das für Deponien Abdichtung, Deponiegas- und Sickerwassererfassung vorschrieb, es wurde 1986 novelliert. Die Abfallvermeidung wurde erstmals aufgenommen, die Verwertung erhielt Vorrang vor der Deponierung oder Verbrennung.

1991 beschloss die Bundesregierung die Verpackungsverordnung. Als Folge gründeten die Hersteller die Duale System Deutschland GmbH, die Verpackungsmüll mit dem sogenannten 'Grünen Punkt' sammeln und verwerten soll.

Müllabfuhr heute

 

Fünf Jahre später trat das vom Bundestag beschlossene Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz in Kraft. Es wird von Fachleuten zum Teil heftig kritisiert, weil es die Müllverbrennung unter bestimmten Bedingungen der Wiederverwertung gleichstellt.

 

Da der Gesetzgeber die Industrie bisher noch nicht zur Produktion ausschließlich umweltschonender Produkte verpflichtet hat, liegt es an den KonsumentInnen, umwelt-bewusst einzukaufen und umweltschädliche Produkte zu vermeiden.

 

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